Gesetzliche Erbfolge

Was ist die gesetzliche Erbfolge?

Die gesetzliche Erbfolge regelt, wer Erbe wird, wenn der Erblasser kein Testament hinterlassen hat. Die Kenntnis der gesetzlichen Erfolge beantwortet also die Frage: Brauche ich ein Testament, um meine Vorstellungen zur Verteilung meines Vermögens im Todesfall zu verwirklichen?

Die gesetzliche Erbfolge ist außerdem Grundlage für die Höhe eventueller Pflichtteilsansprüche (= Hälfte des gesetzlichen Erbteils), also der gesetzlichen Mindestbeteiligung bestimmter naher Angehöriger am Nachlass. Die gesetzliche Erbfolge ist damit Ausgangspunkt aller erbrechtlichen Überlegungen. Die wichtigtsen Regelungen werden deshalb kurz vorgestellt.

Wer sind die gesetzlichen Erben?

Gesetzliche Erben sind die nächsten leiblichen Verwandten und natürlich der Ehegatte. D.h. angeheiratete Verwandte (z.B. Kinder des Ehepartners, Schwiegerkinder, Schwager usw.) sind nicht erbberechtigt. Nähere Verwandte schließen entferntere Verwandte aus. Das Gesetz spricht hier von Ordnungen. Wenn man zunächst den Ehegatten beiseite läßt (s. hierzu Ziff. 6), stellt sich die Rechtslage wie folgt dar:

Erben 1. Ordnung

Die 1. Ordnung umfaßt die Abkömmlinge des Erblassers, d.h. zunächst seine Kinder. Dabei werden mittlerweile alle eigenen Kinder gleich behandelt, unabhängig davon, ob es eheliche, nichteheliche oder adoptierte Kinder sind. Die Kinder erben dabei zu gleichen Teilen. Ist ein Kind vorverstorben, treten dessen Kinder an seine Stelle, untereinander wiederum zu gleichen Teilen.
Beispiel: Hinterläßt ein lediger Erblasser drei Kinder, erben diese zu je 1/3. Ist ein Kind vorverstorben und hinterläßt es seinerseits zwei Kinder, erben die zwei noch lebenden Kinder je 1/3 und die beiden Enkelkinder je 1/6. Wenn auch nur ein Erbe der 1. Ordnung vorhanden ist, kommen die Erben der weiteren Ordnungen, d.h. die entfernteren Verwandten nicht zum Zuge.

Erben 2. Ordnung

Die 2. Ordnung bilden die Eltern. Hinterläßt ein lediger Erblasser also keinerlei Abkömmlinge, erben Vater und Mutter je 1/2. Ist ein Elternteil vorverstorben, treten dessen Kinder an seine Stelle, und zwar nach den Regeln, die für die 1. Ordnung gelten.
Beispiel: Lebt die Mutter noch, ist aber der Vater vorverstorben und hatte dieser neben dem Erblasser noch zwei weitere Kinder (= Geschwister des Erblassers), erbt die Mutter 1/2, die beiden Geschwister des Erblassers erben dann je 1/4.

Erben 3. Ordnung

Erben der 3. Ordnung sind die Großeltern des Erblassers. Sind diese vorverstorben, treten deren, jeweilige Abkömmlinge an ihre Stelle. Sind keinerlei Verwandte mehr vorhanden, erbt letzten Endes der Staat.

Erbrecht des Ehegatten / eingetragenen Lebenspartners

War der Erblasser verheiratet / gleichgeschlechtlich verpartnert, richtet sich die Erbquote des Ehegatten / Lebenspartners danach, welcher Güterstand bestand und welche weiteren Erben vorhanden sind.
Insoweit gilt gemäß § 10 LPartG für eingetragene Lebenspartner das gleiche wie für Ehegatten. Zur Vereinfachung ist nachfolgend nur von Ehegatten die Rede.
Waren die Ehegatten im gesetzlichen Güterstand verheiratet, war also durch Ehevertrag weder Gütertrennung noch Gütergemeinschaft vereinbart, dann erbt der überlebende Ehegatte letztendlich neben Erben der 1. Ordnung 1/2 und neben Verwandten der 2. Ordnung oder neben Großeltern 3/4. Der Ehegatte ist also nur dann Alleinerbe, wenn weder Erben der 1. Ordnung noch Erben der 2. Ordnung vorhanden sind und wenn auch die Großeltern nicht mehr leben. Deshalb müssen Ehegatten, die sich ausschließlich gegenseitig beerben wollen, unbedingt ein Testament errichten.

Haben die Ehegatten durch Ehevertrag Gütertrennung vereinbart, erben der Ehegatte und die Kinder zu gleichen Teilen, der Ehegatte erhält aber mindestens 1/4. Neben Erben der 2. Ordnung oder neben Großeltern erbt der Ehegatte 1/2.

Beispiel: Hinterläßt der Erblasser, der in Gütertrennung verheiratet ist, neben dem Ehegatten ein Kind, erben beide je 1/2, hinterläßt er zwei Kinder, erben der Ehegatte und die Kinder je 1/3, hinterläßt er drei oder mehr Kinder, erbt der Ehegatte 1/4, der restliche 3/4-Anteil ist unter den Kinder zu gleichen Teilen aufzuteilen.

Die Höhe des Erbteils des Ehegatten / eingetragenen (gleichgeschlechtlichen) Lebenspartners neben Erben der 1. Ordnung ist in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst:

 

Güterstand

1 Abkömmling

2

Abkömmlinge

mehr als 2 Abkömmlinge

Zugewinngemeinschaft

1/2

1/2

1/2

Gütertrennung

1/2

1/3

1/4

Gütergemeinschaft

1/4

1/4

1/4

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